AgNes: Warum PV-Betreiber bald mehr fürs Stromnetz zahlen
Wer eine Photovoltaikanlage betreibt und Strom ins öffentliche Netz einspeist, sollte sich auch an der Finanzierung des Netzes beteiligen. So lautet die Grundforderung der Bundesnetzagentur, die mit dem Projekt AgNes eine neue Systematik für die Verteilung von Netzentgelten entwickelt. Experten rechnen mit Mehrkosten von 100 bis 150 Euro pro Jahr – für Nutzer von Balkon-PV-Anlagen und Batteriespeichern ändert sich nichts.
Kosten des Netzausbaus gerecht verteilen
Um einen hohen Anteil regenerativer Energien aufnehmen zu können, müssen Netzbetreiber die Stromnetze in Deutschland anpassen. Die Bundesnetzagentur sieht die Kosten des Netzausbaus ungerecht verteilt. Denn diese tragen insbesondere Verbraucher - wer Strom einspeist und die Netze damit zusätzlich belastet, muss sich bisher nicht beteiligen. Das soll sich nun ändern. Eine entsprechende Regelung plant die Bundesregierung mit dem Projekt AgNes. Die Abkürzung steht für „Allgemeine Netzentgeltsystematik Strom“ und beschreibt das Vorhaben, die Kosten für den Netzausbau fair auf alle Nutzer zu verteilen.
Mehrkosten von 100 bis 150 Euro pro Jahr
Im Fokus stehen dabei vor allem Prosumer, also Haushalte, die zum Beispiel mit einer Photovoltaikanlage Strom produzieren und diesen ins öffentliche Netz einspeisen. Sie sollen sich über eine höhere Grundgebühr an den Netzausbaukosten beteiligen und jährlich etwa 100 bis 150 Euro mehr bezahlen. Das geht aus ersten Plänen hervor, die die Bundesregierung am 27. Mai 2026 veröffentlicht hat.
Experten kritisieren die geplante Regelung
Während der Bundesverband Energiespeicher Systeme die anhaltende Befreiung von Batteriespeichern begrüßt, kritisiert der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW Solar) die Erhöhung der Netzentgelte. Diese würde private Betreiber stark belasten. Sie setze keine Anreize, PV-Anlagen sowie Stromspeicher netzdienlich zu betreiben und könnte den dringend erforderlichen Ausbau der Erneuerbaren sogar ausbremsen. Durch die Beteiligung an den Kosten intelligenter Messsysteme und die gestrichene Vergütung zu Zeiten negativer Strompreise, seien die Anreize für PV-Anlagen ohnehin gesunken, führt der BSW Solar in eigener Stellungnahme aus.
In der Summe besitzen diese Maßnahmen das Potenzial, den dringend benötigten Ausbau der Solarenergie in Deutschland massiv auszubremsen. Dies widerspricht klar dem Bürgerwillen und den vereinbarten Regierungszielen
Studie belegt: Prosumer senken Netzausbaubedarf
Eine Untersuchung der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin ergab, dass die Belastung des Netzes durch intelligent betriebene PV-Anlagen inkl. Speicher sogar sinkt. Das gilt vor allem für die Kombination mit Wärmepumpen und Elektroautos, die deren Spitzenlasten sich mit der Technik abregeln lassen. Eine höhere Belastung der Prosumer ist aus diesem Hintergrund nicht gerechtfertigt, kritisiert auch der BSW Solar.
Hintergrund: StromNEV und ARegV enden
Die aktuellen Regelungen, nach denen vor allem Stromverbraucher die Kosten der Netze tragen, laufen bis Ende 2028 aus. Sie sind in der Stromnetzentgeltverordnung (StromNEV) sowie der Anreizregulierungsverordnung (ARegV) und bis Anfang 2029 neu aufzustellen. Das übergeordnete Ziel der neuen Netzentgeltsystematik ist dabei laut Bundesnetzagentur freies und faires Agieren aller Netznutzer im Einklang mit den Belangen der Netze.
AgNes-Festlegungsentwurf bis Mitte 2026
Aktuell befindet sich die unter dem Projektnamen AgNes geführte Neuregelung in der Planung. Nachdem die Regierung Ende Mai einen ersten Entwurf veröffentlichte, soll ein konkreter Festlegungsentwurf im Sommer 2026 folgen. Konkrete Vorgaben dürfte die Regierung dann im Laufe des Jahres 2027 bekannt geben. Änderungen an den aktuell geplanten Regelungen sind damit nach wie vor möglich.