Fußbodenheizung entlüften – Tipps und Schritte

  • von Philipp Hermann
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Selbst eine perfekt eingestellte Fußbodenheizung benötigt manchmal etwas Aufmerksamkeit. Wenn sich Luft im System sammelt, kann dies die Wärmeverteilung stören und den Energieverbrauch unnötig in die Höhe treiben. Doch keine Sorge: Das Entlüften einer Fußbodenheizung ist mit etwas Anleitung gut machbar und hilft Ihrer Heizung, wieder mit voller Effizienz zu arbeiten. Hier erfahren Sie, woran Sie Luft im System erkennen, wann es Zeit zum Handeln ist und wie Sie beim Entlüften Schritt für Schritt vorgehen.

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Warum ist das Entlüften Ihrer Fußbodenheizung wichtig?

Ähnlich wie bei einem klassischen Heizsystem sammelt sich mit der Zeit auch in einer Fußbodenheizung Luft. Eine zu große Menge an Luftblasen wirkt sich störend auf den Ablauf des Heizkreislaufes aus, da das warme Wasser nicht alle Bereiche der Heizrohre erreicht. Die Folge: die  Fußbodenheizung wird nicht mehr richtig warm,  beziehungsweise nur noch ungleichmäßig. Um die Wunschtemperatur auch weiterhin zu erreichen, wird die Heizung dann einfach hochgestellt. Das wiederum verbraucht mehr Energie. Mit einer Entlüftung beugen Sie diesem Problem vor und sparen Energiekosten ein.

Wann sollten Sie Ihre Fußbodenheizung entlüften?

Wir empfehlen, die Fußbodenheizung regelmäßig zu entlüften, um eine optimale Leistung und Effizienz sicherzustellen. Es gibt aber auch klare Anzeichen, die darauf hindeuten, dass sich Luft in der Heizung befindet und eine Entlüftung erforderlich ist:

  • Kältezonen: Bestimmte Bereiche des Fußbodens werden nicht ausreichend warm oder sind kälter als andere.
  • Geräusche: Sie hören ungewöhnliche Geräusche wie Gluckern, Zischen oder Klackern aus den Heizungsrohren.
  • Langsames Aufheizen: Die Fußbodenheizung braucht länger als gewöhnlich, um den Raum auf die gewünschte Temperatur zu bringen.
  • Geringe Wärmeabgabe: Die Wärmeabgabe des Fußbodens nimmt insgesamt ab oder bietet nicht den erwarteten Komfort.

Tipp: Auch nach Reparaturen oder Wartungsarbeiten am Heizsystem ist es ratsam, die Fußbodenheizung zu entlüften, um sicherzustellen, dass keine Luft eingeschlossen wurde. Eine präventive Entlüftung vor Beginn jeder Heizperiode im Herbst kann ebenfalls sinnvoll sein.

Wie oft sollte entlüftet werden?

Die Häufigkeit der Entlüftung kann je nach Art des Heizungssystems, der Wasserqualität und der Installationsbedingungen variieren. Allgemein empfiehlt sich bei älteren Heizungen eine Entlüftung alle zwei bis vier Jahre und bei modernen Modellen alle fünf Jahre.

Herstelleranweisungen beachten

Folgen Sie in allen Fällen den Anweisungen des Herstellers und konsultieren Sie gegebenenfalls einen  Heizungsinstallateur, um sicherzustellen, dass die Entlüftung zum richtigen Zeitpunkt durchgeführt wird.

Hinweis: Das Entlüften ist nur bei wasserbasierten Fußbodenheizungen erforderlich.  Bei elektrisch betriebenen Fußbodenheizungen, die keine Flüssigkeit enthalten, ist eine Entlüftung nicht erforderlich.

Bild: Dieses Bild wurde von einer KI erstellt.

Schritt-für-Schritt-Anleitung: Fußbodenheizung richtig entlüften

Das Entlüften einer Fußbodenheizung unterscheidet sich deutlich vom  Entlüften einer Heizung mit herkömmlichen Heizkörpern – ein Entlüftungsschlüssel wird dabei nicht benötigt.  Der Vorgang ist etwas aufwendiger und erfordert handwerkliches Geschick.

Grundsätzlich folgt die Entlüftung einem festen Ablauf, kann aber je nach System und Hersteller variieren. Daher empfiehlt es sich, vor der ersten Durchführung eine ausführliche Einweisung durch den Installateur einzuholen. Wer unsicher ist, sollte besser einen Fachbetrieb beauftragen – so ist sichergestellt, dass die Heizung optimal funktioniert.

Benötigte Materialien und Werkzeuge

  • Schlauch:  leitet Wasser und Luft kontrolliert in einen Eimer oder Abfluss.
  • Eimer:  fängt das ausgespülte Wasser auf.
  • Schraubenschlüssel/Zange:  zum Öffnen der Ventile am Heizkreisverteiler.
  • Lappen:  zum Aufwischen von Tropfwasser.
  • Wasserfüllschlauch:  zum Nachfüllen von Wasser während des Entlüftens.
  • Manometer:  zur Kontrolle des Systemdrucks.
  • Bedienungsanleitung:  hilft bei herstellerspezifischen Hinweisen.

Vor dem Entlüften

  • Wasserqualität prüfen: Vor dem Entlüftungsprozess sollten Sie sicherstellen, dass die Qualität Ihres Wassers für den Entlüftungsvorgang geeignet ist und gegebenenfalls vorher entsprechend aufbereitetes Wasser bereitstellen. Gemäß VDI 2035 der Richtlinie zur Vermeidung von Schäden in Heizungsanlagen – sind Härte, pH-Wert und Leitfähigkeit des Wassers entscheidend.
  • Heizung und Umwälzpumpe abstellen: Schalten Sie zunächst Ihre gesamte Heizungsanlage aus.  Suchen Sie die Umwälzpumpe (meist in der Nähe des Heizkessels oder des Verteilerschranks) und schalten Sie auch diese ab. Das ist wichtig, damit während der Entlüftung keine neue Luft ins System gelangt und sich die vorhandene Luft im Heizkreisverteiler sammeln kann.  Warten Sie etwa 30 bis 60 Minuten. Diese Zeit ermöglicht es den Luftblasen im gesamten System, sich im Heizkreisverteiler zu sammeln, da das Wasser zur Ruhe kommt.

Die Schritte zur Entlüftung

1. Vorbereitung: Schläuche und Ventile

  • Halten Sie zwei geeignete Wasserschläuche bereit – einen zum Befüllen, einen zum Ablassen.
  • Schließen Sie zunächst den Vorlauf, den Rücklauf sowie alle Heizkreisventile am Heizkreisverteiler. So stellen Sie sicher, dass die Entlüftung kontrolliert und kreisweise erfolgen kann.

2. Schläuche anschließen:

  • Verbinden Sie den einen Schlauch mit einem Zapfventil und schließen Sie ihn am KFE-Hahn (Kessel-Füll- und Entleerhähne)  des Vorlaufverteilers an.
  • Den zweiten Schlauch befestigen Sie am Hahn des Rücklaufverteilers und führen ihn in einen Abfluss oder einen ausreichend großen Auffangbehälter.

3. Heizkreise einzeln entlüften:

  • Öffnen Sie nun den ersten Heizkreis, den Sie entlüften möchten.
  • Leiten Sie Wasser über den Schlauch am Vorlaufverteiler in den Heizkreis – so lange, bis keine Luftblasen mehr austreten und ein gleichmäßiger Wasserstrahl zu sehen ist.
  • Sobald die Luft vollständig entwichen ist, schließen Sie den jeweiligen Heizkreis wieder.

4. Vorgang wiederholen:

  • Entlüften Sie alle weiteren Heizkreise auf die gleiche Weise – immer nur einen Kreis öffnen und nach vollständiger Entlüftung wieder schließen. Achten Sie darauf, systematisch vorzugehen, damit kein Kreis vergessen wird.

5. Anlage zurücksetzen und prüfen:

  • Sind alle Heizkreise entlüftet, entfernen Sie die Schläuche vorsichtig.
  • Überprüfen Sie anschließend, ob alle Ventile und Einstellungen wieder in ihrer ursprünglichen Position sind.

6. Heizung einschalten und Funktion testen:

  • Schalten Sie nun Ihre Heizung wieder ein und prüfen Sie, ob alle Einstellungen so sind, wie sie vorher waren. Es kann einige Minuten dauern, bis die Anlage wieder vollständig durchläuft.  
  • Beobachten Sie, ob alle Räume gleichmäßig warm werden – eventuell ist eine Nachkontrolle des Drucks erforderlich.

Achtung: Stellen Sie sicher, dass immer nur ein Heizkreis offen ist. Bevor ein neuer Heizkreis geöffnet wird, müssen alle anderen verschlossen sein. Führen Sie die Entlüftung in Eigenarbeit durch und beschädigen dabei das empfindliche Heizsystem, entfällt das Recht auf Garantie.

Fußbodenheizung spülen: Wann ist es nötig?

Wenn trotz sorgfältiger Entlüftung weiterhin Probleme mit der Wärmeabgabe bestehen oder der Fußboden nur noch vereinzelt warm wird, könnte dies auf Ablagerungen oder Schlamm in den Heizungsrohren hindeuten. In solchen Fällen reicht eine reine Entlüftung nicht aus; das System muss gespült werden.

Anzeichen für die Notwendigkeit einer Spülung:

  • Hartnäckige Kältezonen, die nach dem Entlüften bestehen bleiben.
  • Ungewöhnlich hoher Druckverlust im System, der häufiges Nachfüllen erfordert.
  • Schwarzes oder trübes Wasser, das beim Entlüften austritt.

Das Spülen einer Fußbodenheizung ist komplexer als das Entlüften und sollte in der Regel von einem qualifizierten Fachbetrieb durchgeführt werden. Hierbei wird ein Spülgerät mit Kompressor eingesetzt, das Wasser mit hohem Druck durch die Heizkreise pumpt, um Verstopfungen zu lösen und Ablagerungen zu entfernen.

Entlüften und spülen: Wo liegt der Unterschied?

Das Entlüften zielt darauf ab, Luft aus dem Heizungssystem zu entfernen, während das Spülen die Fußbodenheizung von Ablagerungen reinigen soll. Beide Verfahren können zur Aufrechterhaltung der Effizienz und des Betriebs einer Fußbodenheizung wichtig sein. Jedoch sind die spezifischen Anforderungen und der Umfang der Arbeit unterschiedlich. Ihre Fußbodenheizung können Sie selbst entlüften, ohne mit Hochdruck zu spülen. Eine professionelle Spülung sollte ein Experte durchführen.  

Mit diesen Kosten können Sie rechnen

Je nach Größe und Zustand des Systems können die Kosten unterschiedlich hoch ausfallen. Möchten Sie Ihre Fußbodenheizung von einem Experten entlüften lassen, können Sie mit Kosten zwischen 50 und 200 Euro rechnen. Lassen Sie Ihre Fußbodenheizung professionell spülen, können Sie Kosten in Höhe von 5 bis 10 Euro pro Quadratmeter einplanen. Diese Angaben sind als Richtwerte zu verstehen und können abhängig von Region und Anbieter variieren.

Die häufigsten Fragen und Antworten zusammengefasst

Wie oft muss ich die Fußbodenheizung entlüften?

Eine allgemeingültige Regel gibt es nicht, da dies von System zu System variiert. Als Faustregel gilt: Wenn Sie die oben genannten Anzeichen (Kältezonen, Gluckern, langsames Aufheizen) bemerken, ist eine Entlüftung ratsam. Empfehlenswert ist es außerdem, die Fußbodenheizung vorsorglich vor Beginn der Heizsaison zu entlüften, um einen reibungslosen Betrieb sicherzustellen.

Kann ich meine Fußbodenheizung selbst entlüften?

Ja, mit der richtigen Anleitung und etwas handwerklichem Geschick können Sie Ihre Fußbodenheizung selbst entlüften. Für komplexere Probleme oder wenn Sie sich unsicher fühlen, sollten Sie jedoch immer einen Fachmann hinzuziehen.

Was tun, wenn nach dem Entlüften immer noch Luft in der Fußbodenheizung ist?

Überprüfen Sie, ob Sie alle Heizkreise am Verteiler entlüftet und den Systemdruck korrekt nachgefüllt haben. Falls die Probleme weiterhin bestehen, könnte ein hydraulischer Abgleich notwendig sein oder es liegt ein tiefergehendes Problem wie eine undichte Stelle oder eine defekte Pumpe vor. In diesem Fall sollten Sie unbedingt einen Heizungsfachmann konsultieren.

Fazit von Philipp Hermann

Erwärmt sich die Flächenheizung ungleichmäßig oder treten störende Geräusche auf? Dann sollten Sie Ihre Fußbodenheizung entlüften lassen. Mit handwerklichem Geschick können Sie die Arbeit selbst erledigen. Wir empfehlen jedoch die Unterstützung durch einen Fachinstallateur.

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