Solaranlage vom Schnee befreien: Notwendigkeit und Tipps

  • von Alexander Rosenkranz
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Liegt Schnee auf PV-Anlagen oder Solarthermiekollektoren, nutzen diese das auftreffende Sonnenlicht nicht mehr vollständig. Neben sinkenden Erträgen kann eine zu hohe Schnee- und Eislast dabei auch zu Schäden an der Technik führen. Um das zu verhindern, ist es in Einzelfällen sinnvoll, Solaranlagen vom Schnee zu befreien. Wann das nötig ist und wie Sie dabei richtig vorgehen, erklärt der folgende Ratgeber. 

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Die wichtigsten Informationen auf einen Blick:

Wenn im Winter Schnee auf Photovoltaik- oder Solarthermieanlagen liegt, fragen sich viele Besitzer, ob eine Räumung sinnvoll und notwendig ist.  

  • Schnee auf Solaranlagen kann den Ertrag stark reduzieren, da kein Sonnenlicht auf die Module trifft.
  • Eine Schneeräumung ist meist nicht nötig, da die Wintererträge insgesamt gering sind und Schnee oft von selbst abrutscht.
  • Moderne PV- und Solarthermieanlagen sind für hohe Schneelasten ausgelegt.
  • Das Betreten des Dachs zur Schneeräumung birgt erhebliche Unfall- und Beschädigungsgefahren.
  • Ist eine Räumung erforderlich, sollten Sie weiche Werkzeuge nutzen oder einen Fachbetrieb beauftragen.

Photovoltaik und Solarthermie im Winter: Erträge sinken  

Photovoltaik und Solarthermieanlagen wandeln Sonnenlicht in Strom oder Wärme um. Möglich ist das jedoch nur, wenn die energiereichen Strahlen der Sonne in einem optimalen Winkel auf die Kollektoren treffen. Während die Anlagen durch die hoch am Himmel stehende Sonne im Sommer eher flach liegen sollten, empfiehlt sich im Winter ein steilerer Winkel. Denn dann steigt die Sonne meist nur knapp über den Horizont. Über das Jahr gerechnet empfiehlt sich ein Kompromiss von etwa 35 Grad. Dieser führt jedoch dazu, dass der Ertrag der Photovoltaik und der Solarthermie im Winter geringer ist, als etwa bei steil stehenden Kollektoren an der Fassade.

Bewölkung, kurze Tage und Schnee stören die Strom- und Wärmeproduktion

Weitere Ursachen für die geringere Wärme- und Stromproduktion sind häufigere Tage mit Bewölkung und weniger Tageslicht im Winterhalbjahr. Zudem lässt auch Schnee auf der PV-Anlage oder den Solarthermiekollektoren die Erträge gegen Null gehen. Denn dieser verhindert das Auftreffen der solaren Strahlung komplett.

PV- und Solaranlage vom Schnee befreien und die Erträge steigern

Ausrichtung, Wetter und Tageslicht lassen sich nach der Installation in aller Regel nicht mehr beeinflussen. Möchten Sie den Ertrag steigern, können Sie also nur die Solaranlage vom Schnee befreien. Auf diese Weise stellen Sie sicher, dass Sonnenlicht zu den Kollektoren durchdringt und diese ihre Arbeit verrichten können. Aber Achtung: Wenn Sie auf der Solarthermie oder der Photovoltaik mit einem Schneeschieber arbeiten, kommt es schnell zu Schäden und hohen Folgekosten.

Schnee am Boden kann den Ertrag der Solartechnik steigern

Während Schnee auf den Kollektoren bei der Photovoltaik und der Solarthermie im Winter den Ertrag senkt, kann er am Boden sehr nützlich sein. Denn dort reflektiert er das Sonnenlicht. Vor allem an der Fassade angebrachte Kollektoren bekommen dadurch mehr Solarstrahlung, wodurch der Ertrag sogar steigen kann. Durch den steilen Aufstellwinkel müssen Sie die Solaranlage dazu nicht einmal vom Schnee befreien.

Solarthermie- und Photovoltaik vom Schnee befreien: nötig?

Ob Besitzer eine Solarthermie- oder Photovoltaikanlage von Schnee befreien müssen, hängt von mehreren Faktoren ab. Entscheidend sind dabei vor allem die Lage des Gebäudes und die Last auf Kollektoren und Unterbau.

Tipp: Ob die Wärmeerzeugung aus Sonnenenergie auch in der kalten Jahreszeit effizient ist, erfahren Sie in unserem Ratgeber:  Solarthermie im Winter.

Im Norden Deutschlands kein Problem: Schnee rutscht von allein

In vielen Regionen ist die Schneeräumung auf dem Dach nicht zwangsläufig nötig. Das gilt insbesondere für den  Norden Deutschlands. Denn hier ist die Schneedecke meist nur sehr dünn und in den überwiegenden Fällen am nächsten Tag weggetaut. Auch Betreiber mit einer Dach-/Modulneigung von mindestens 30 bis 40 Prozent benötigen in der Regel keinen Solarthermie- oder Photovoltaik-Schneeschieber. Durch den steileren Winkel rutscht der Schnee nach kurzer Zeit einfach allein von den Modulen, sodass diese ihren Betrieb wieder aufnehmen können.

Geringe Ertragseinbußen machen Schneeräumen häufig überflüssig

In der Regel rechtfertigen auch die eher geringen Ertragseinbußen die zum Teil gefährlichen Arbeiten auf dem Dach nicht. Denn: Etwa drei Viertel des jährlichen Gesamtertrags erzeugen die Anlagen zwischen Mai und September - nur ein Viertel im restlichen Jahr. Der durchschnittliche Ertragswert im Januar liegt beispielsweise bei 20 bis 25 Kilowattstunde pro  Kilowatt Peak  (theoretisch höchstmögliche Leistung der Anlage). Zum Vergleich: Im Juni ist der Ertrag häufig mindestens fünfmal höher.

Solaranlage vom Schnee befreien: Gefahren sprechen dagegen

Neben der zweifelhaften Notwendigkeit birgt es auch Gefahren, wenn Hausbesitzer die Solaranlage vom Schnee befreien möchten. Zunächst achten nur wenige auf die entsprechende Unfallverhütung und Sicherheit. Es gab in der Vergangenheit bereits schwere Unfälle. Daneben kann es auch passieren, dass die Kollektoren beschädigt werden. Das ist häufig der Fall, wenn einfache Besen oder sogar Schneeschieber zur Hand genommen werden. Hat sich zudem eine dünne Eisschicht unter der Schneedecke gebildet, hilft das Abfegen auch nicht mehr. Scharfkantige Gegenstände oder chemische Mittel dürfen dann keine Alternative sein.

Schneelast berücksichtigen: Viele befürchten, Schnee auf PV- oder Solarthermieanlagen könnte eine zu hohe Last bedeuten. In der Regel ist das jedoch nicht der Fall. Denn die Anlagen halten üblicherweise einem Druck von umgerechnet 240 Kilogramm pro Quadratmeter stand. Für die Installation in schneereichen Gebieten stehen sogar robustere Anlagen zur Verfügung, die pro Quadratmeter einem Druck von umgerechnet 520 Kilogramm standhalten. Zu Schäden kommt es dabei eher an der Aufständerung oder an den Montagepunkten am Dach. Drohen diese durch eine dicke Schnee- oder Eisschicht, sollten sie die Solaranlage vom Schnee befreien.  

Solaranlage vom Schnee befreien: So funktioniert es

Müssen Sie Ihre Solarthermie oder Photovoltaik im Winter vom Schnee befreien, ist oberste Vorsicht geboten. Denn dabei kann es zu schweren Unfällen und zu Schäden an der Technik selbst kommen. Im Folgenden geben wir einige Tipps zum richtigen Vorgehen.

  • Besen mit weichen Borsten oder Solar-Schneeschieber:  Möchten Sie die Solaranlage selbst vom Schnee befreien, empfiehlt sich ein weicher Besen. Noch besser sind spezielle Solar-Schneeschieber mit Schonborsten. Beide schieben die Schneeschicht zuverlässig von den Modulen, ohne deren empfindliche Oberfläche zu beschädigen.  
  • Bewegliche Abdeckplanen (auch automatische Systeme):  Interessant sind auch automatisch hochfahrende Abdeckplanen. Diese legen sich bei Schnee im Winter über die Solarthermie- oder PV-Module, um diese von vornherein frei und leistungsfähig zu halten. Für private Haushalte stehen die Mehrkosten in aller Regel aber in keinem Verhältnis zum zusätzlich möglichen Ertrag.    
  • Solarthermie und Photovoltaik mit Schnee-Heizung: Möchten Sie die Photovoltaik vom Schnee befreien, sind im Handel auch Module mit Heizung im Rahmen erhältlich. Diese schaltet sich bei Schneefall automatisch ein, um die Module freizuhalten. Bei der Solarthermie ist das einfacher, hier lässt sich warmes Heizungswasser zu den Kollektoren leiten, um den Schnee zu beseitigen, wenn Anlagen über eine solche Heizfunktion verfügen.
  • Schneeräumung durch Fachbetrieb für die Solartechnik: Müssen Sie die Solaranlage vom Schnee befreien, empfehlen wir den Kontakt zu einer Fachfirma. Die Experten haben das nötige Werkzeug und viel Erfahrung. Sie führen die Arbeiten sicher durch und verhindern dabei Unfälle sowie Schäden an der Solarthermie- oder PV-Anlage.  

Wichtig zu wissen: In vielen Fällen rutscht der Schnee selbst von den Modulen - und das oft sogar besser als vom Dach. Ein Schneefang an der Dachkante verhindert dabei, dass es zu Unfällen, Schäden oder sehr unangenehmen Situationen kommt.

Besondere Vorsicht bei Vakuumröhrenkollektoren: Möchten Sie die Solarthermie vom Schnee befreien, ist besondere Vorsicht geboten. Das gilt vor allem bei Vakuumröhrenkollektoren. Denn diese bestehen aus zahlreichen einzelnen Röhren, die für sich deutlich  zerbrechlicher sind als die Oberflächen von Flachkollektoren.  

FAQ: Häufig gestellte Fragen und Antworten zum Thema

Ist es notwendig, eine Solaranlage im Winter vom Schnee zu befreien?

In den meisten Fällen ist das nicht zwingend erforderlich. Schnee schmilzt oder rutscht bei ausreichender Dachneigung meist von selbst ab. Zudem ist der Winteranteil am Jahresertrag vergleichsweise gering, sodass sich der Aufwand oft nicht lohnt.

Wie stark beeinflusst Schnee den Ertrag von Photovoltaik und Solarthermie?

Liegt eine geschlossene Schneedecke auf den Modulen, kommt nahezu kein Sonnenlicht hindurch und der Ertrag sinkt gegen Null. Da die Sonneneinstrahlung im Winter jedoch ohnehin niedrig ist, sind die Einbußen im Jahresvergleich meist zu vernachlässigen.

Besteht durch Schnee eine Gefahr für die Anlage?

Moderne Anlagen sind für hohe Schneelasten ausgelegt. Kritisch kann es eher bei extremen Schnee- oder Eislasten sowie an Montagepunkten und Aufständerungen werden. In solchen Fällen ist die Situation fachlich zu prüfen. Außer in schneereichen Bergregionen bleiben Gefahren diesbezüglich in Deutschland üblicherweise aber aus. 

Wie kann man eine Solaranlage sicher vom Schnee befreien?

Wenn eine Räumung nötig ist, sollten nur weiche Besen oder spezielle Solar-Schneeschieber mit Schonborsten verwendet werden. Scharfkantige Werkzeuge oder chemische Mittel sind ungeeignet. Aufgrund der Unfallgefahr auf dem Dach ist die Beauftragung eines Fachbetriebs oft die sicherste Lösung.

Gibt es technische Lösungen gegen Schnee auf Solarmodulen?

Teilweise kommen beheizbare Module oder automatische Abdecksysteme zum Einsatz. Diese halten die Module schneefrei, verursachen jedoch zusätzliche Kosten, die sich im privaten Bereich meist nur selten wirtschaftlich rechnen.

Fazit von Alexander Rosenkranz

Die Schneeräumung von Solaranlagen ist meist nicht notwendig und nur bei geringer Dachneigung oder extremen Schneelasten sinnvoll. Ob Handlungsbedarf besteht, sollten Sie im Einzelfall – idealerweise mit einem Fachmann – prüfen.  Wenn Sie selbst räumen, müssen Sie unbedingt auf ausreichend Sicherheit achten, da erhebliche Unfallgefahr besteht. Um die Solar- und PV-Module zu schonen, sollten Sie außerdem nur weiche Werkzeuge einsetzen.

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